Digitale Barrierefreiheit

Digitale Barrierefreiheit ermöglicht Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten einen gleichberechtigten Zugang zu Information und Kommunikation. Sie ist ein Teilbereich der allgemeinen Barrierefreiheit. Informationen dazu finden Sie auf der Webseite der ASH Berlin:

  https://www.ash-berlin.eu/studium/beratung-unterstuetzung/alice-barrierefrei/

Die hier bereitgestellten Informationen sind als Hilfestellung zur barrierearmen Gestaltung digitaler Inhalte gedacht. Bei Fragen dazu können Sie sich unter folgender E-Mail-Adresse an uns wenden:

  digitalebarrieren@ash-berlin.eu

Aufbereitung von Arbeitsblättern/ Seminarliteratur


Informationen

Barrierearm aufbereitete Texte können auch von Blinden und Menschen mit Sehbeeinträchtigung erfasst werden, etwa durch die Nutzung unterstützender Technologien wie beispielsweise Programmen, mit denen die Inhalte auf dem Bildschirm vergrößert (Screen magnifier) oder per Sprachausgabe vorgelesen (Screen reader) werden können. Damit Vorlesefunktionen nutzbar sind, müssen die Dokumente so erstellt werden, dass das Screen-Reader Programm die Textstruktur erfassen kann. Darüber hinaus wurden in diesem Zusammenhang zahlreiche Standards definiert, für Web-Technologien etwa die  Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.0) durch die de facto Standardisierungsorganisation  Web Accessibility Initiative (WAI).

Mit PDF/UA (PDF/ Universal Accessibility) existiert seit 2012 ein auf der WCAG basierender PDF-Standard für barrierefreie PDF-Dokumente. Fehler bei der Erstellung von Dokumenten nach dem Standard PDF/UA können auf Basis des von der  PDF-Association entwickelten Matterhorn-Protokolls automatisiert erkannt werden. Die Einhaltung dieses Standards erfordert neben einem hohen Aufwand teure und proprietäre Software (Adobe Acrobat Professional®) sowie umfassende Spezialkenntnisse. Jede kleine Textänderung würde zudem erneut eine aufwendige Nachbearbeitung erforderlich machen.

Alternativ kann mit Microsoft Word® ab Version 2016 eine sehr gute Nutzbarkeit erzielt werden, indem Texte mit Hilfe von Formatvorlagen gestaltet werden. Durch das Einfügen von Seitenzahlen im Fließtext bleiben diese nach wissenschaftlichen Standards zitierfähig. Die Umsetzung kann allerdings nicht automatisiert getestet werden.

Zur Überprüfung sollte daher ein Programm zum (testweisen) Navigieren und Vorlesen der Inhalte verwendet werden. Hierfür empfehlen wir die Screen-Reader Software „NonVisual Desktop Access“ (NVDA), die für das Betriebssystem Windows kostenlos zur Verfügung steht. Den Link und weitere Informationen zu NVDA finden Sie auf der Seite  „Digitale Tools“ der E-Learning Servicestelle (Kategorie: Barrierefreiheit).

Formatvorlagen

Folgende Word-Vorlagen können Sie zur barrierarmen Aufbereitung Ihrer Arbeitsblätter und Seminarliteratur verwenden (Stand: 12.11.2019; Bitte vor Verwendung auf neuere Versionen prüfen!)

  Word-Formatvorlage für Arbeitsblätter wie beispielsweise Seminarpläne oder Aufgabenstellungen

  Word-Formatvorlage für Seminarliteratur wie beispielsweise Basistexten oder Prüfungsliteratur

  Allgemeine Informationen zur Verwendung der Word-Vorlagen

Hinweis:

Eine detaillierte Anleitungen zur Nutzung der Formatvorlagen und zur Prüfung der erstellten Dokumente wird demnächst an dieser Stelle hinzugefügt.

Umsetzung E-Ressourcen/ E-Books

Mit den Formatvorlagen können je nach Zeitaufwand unterschiedliche Stufen der Barrierearmut erreicht werden. Ziel der Aufbereitung sollte es sein, die Arbeitsblätter und Seminarliteratur gemäß Stufe 2 bereitzustellen. Als Orientierungsgrundlage wurden dabei die Empfehlungen der  Servicestelle für behinderte Studierende (SBS) der Universität Marburg herangezogen:  Leitfaden zur Erstellung barrierefreier Dokumente (Universität Marburg)

Stufe 1


Stufe 1 beschreibt ein Word-Dokument …

  • mit formatierten Überschriften, Textabsätzen und Listen (ohne Leerzeilen)
    • Voraussetzung dafür, dass sich der Text mit Screen-Reader Programmen gut navigieren und in der korrekten Lesereihenfolge per Sprachausgabe vorlesen lässt.
    • Formatvorlagen: Textabsatz, Überschrift 1.–4. Ordnung, Liste/ Aufzählung (Buchstaben, Punkte, Zahlen).
  • mit formatierten Blockzitaten und Infokästen (falls im Originaltext vorhanden)
    • Durch die Formatierung der Blockzitate und Infokästen lassen sich diese besser vom Fließtext unterscheiden. Da Infotexte in der Originalliteratur häufig grau unterlegt werden und somit einen geringen Kontrast aufweisen, werden in den barrierearmen Versionen Textrahmen verwendet.
    • Formatvorlagen: Blockzitat, Textkasten.
  • mit Korrektur der nicht im Originaltext vorhandenen Fehler
    • Bei eingescannten Texten, die per Texterkennung (OCR) umgewandelt wurden, sollten die Grammatik- und Rechtschreibfehler mit dem Original verglichen und ggf. korrigiert werden (bei der Umwandlung werden in der Regel einige Buchstaben oder Zeichen falsch erkannt). Im Original vorhandene Fehler müssen allerdings übernommen werden, um so die Zitierfähigkeit zu gewährleisten.
  • mit ausgefülltem Übersichtsblatt (Informationen zum Text)
    • Das Übersichtblatt dient dazu, die zentralen Kontextinformationen des bereitgestellten Textes (Titel, Autor*in, Literaturangabe, Seminar, Studiengang, Dozent*in) schnell zu erfassen.
  • mit Inhaltsverzeichnis
    • Das Inhaltsverzeichnis kann auf Grundlage der formatierten Überschiften automatisch generiert werden. Nach der Erstellung sollten allerdings die beiden ersten Einträge „Informationen zum Text“ und „Inhaltsverzeichnis“ entfernt werden, da diese Einträge nicht Teil des eigentlichen Seminartextes sind.
  • mit Textinformationen in den Metadaten des Dokumentes
    • Durch das Einfügen der Textinformationen in den Metadaten des Word-Dokumentes können Screen-Reader Programme diese Angaben anstatt des Dateinamens verwenden (Empfohlene Angaben: Nachname Autor*in, Jahresangabe, Titel des Textes).
  • mit abschließender Speicherung als „Abgeschlossen“
    • Durch das Speichern als „Abgeschlossen“ („Dokument schützen“ ⇒ „als abgeschlossen kennzeichnen“) lässt sich verhindern, dass die Anwender*innen von Screen-Reader Programmen beim Navigieren oder Vorlesen versehentlich Änderungen an den Texten vornehmen.

Stufe 2


Stufe 2 beschreibt ein Word-Dokument gemäß Stufe 1, aber zusätzlich …

  • mit formatierten Abbildungen und Tabellen
    • Das Einbinden vorhandener Abbildungen und Tabellen erhöht in der Regel das Textverständnis, indem diese per Bildschirmvergrößerung erfasst werden können. Die Abbildungen müssen hierfür in das Dokument kopiert und danach mit der Word-Beschriftungsfunktion ausgezeichnet werden. Einfach strukturierte Tabellen sollten mit der Word-Tabellenfunktion neu erstellt werden.
    • Formatvorlagen: Abbildung, Beschriftung, Quellenangabe.
  • mit Seitennummerierung für Zitationsfähigkeit
    • Durch das Einfügen der originalen Seitenzahlen im Fließtext wird die Zitationsfähigkeit gewährleistet und eventuell die Seminardiskussion erleichtert, da auf konkrete Textstellen verwiesen werden kann.
    • Formatvorlage: Seitenzahlen
  • mit korrekten Verlinkungen
    • Damit Verlinkungen auf Webseiten oder Internetdokumenten per Screen-Reader Software angesteuert werden können, müssen diese im Text als Hyperlinks ausgezeichnet und überprüft werden.
    • Formatvorlage: Hyperlinks
  • mit vollständigem Literaturverzeichnis
    • Die Übernahme des Literaturverzeichnisses erleichtert eine eigenständige Vertiefung in die behandelten Themenfelder.
    • Formatvorlage: Literaturverzeichnis
  • mit eventuell vorhandenen Fußnoten als Endnoten
    • Durch das Hinzufügen der Fußnoten werden wichtige Zusatzinformationen und Quellen zugänglich gemacht. Damit die Fußnoten besser per Screen-Reader Software ansteuerbar sind, sollten diese in Form von Endnoten am Ende des Dokumentes aufgeführt werden.
  • mit kursiven und fetten Wörtern des Originaltextes
    • Durch die Übernahme der kursiv oder fett markierten Wörter wird die Zitierfähigkeit des Textes erhöht.
    • Formatvorlagen: Kursiv, Fett
  • mit korrekten Einstellungen für fremdsprachige Absätze und Wörter
    • Durch das Markieren und Definieren fremdsprachiger Textstellen können Screen-Reader Programme automatisch auf die notwendige Sprachausgabe wechseln und den Inhalt somit auf verständliche Weise vorlesen (falls entsprechende Sprachpakete im Betriebssystem installiert).

Stufe 3


Stufe 3 beschreibt ein Word-Dokument gemäß Stufe 2, aber zusätzlich …

  • mit qualitativer Überprüfung und ggf. Überarbeitung vorhandener Abbildungen und Tabellen
    • Damit Abbildungen per Bildschirmvergrößerung besser erfassbar sind, kann im letzten Schritt die jeweilige Qualität überprüft und ggf. mit Bildbearbeitungsprogrammen verbessert werden. Dies umfasst unter anderem die Anpassung der Auflösung, Schärfe und Kontraste. Einfache Schaubilder können dabei auch als Vektorgrafiken neu erzeugt und eingefügt werden. Zudem wird durch die Neuerstellung komplexer Tabellen die Zugänglichkeit des Textes per Screen-Reader erhöht.
  • mit aussagekräftigen Alternativtexten für vorhandene Abbildungen und Tabellen
    • Durch das Formulieren und Hinzufügen von Alternativtexten für informative (nicht ausschließlich dekorative) Abbildungen und Tabellen können Nutzer*innen von Screen-Reader Programmen die visuell präsentierten Inhalte besser nachvollziehen. Dieser Arbeitsschritt kann sich allerdings bei einer hohen Anzahl komplexer Abbildungen und Tabellen als recht zeitaufwendig herausstellen.

Aufbereitung Scans

Falls die Seminarliteratur nicht bereits als qualitativ hochwertige Scans oder Volltexte vorliegen und auch nicht als E-Ressourcen erhältlich sind, müssen die Printversionen zunächst digitalisiert werden. Hierzu wird der Text in hoher Qualität (600 dpi) eingescannt und danach mit einem Texterkennungs-Programm (auch Optical Character Recognition OCR) in Volltext umgewandelt.

Hinweis:

Eine genaue Beschreibung zur Digitalisierung und Umwandlung von Seminarliteratur wird demnächst an dieser Stelle erscheinen.


Aufbereitung von Präsentationsfolien


Präsentationsfolien aus Vorlesungen und Seminaren werden häufig im Anschluss der Veranstaltungen den Teilnehmer*innen über die jeweilige Lernplattform zur Verfügung gestellt. Damit die Foliensätze möglichst barrierearm sind, sollten allerdings im Vorfeld einige Aspekte beachtet werden.

Hinweis:

Eine genaue Beschreibung zur Aufbereitung von PowerPoint-Foliensätzen wird demnächst an dieser Stelle erscheinen.


Untertitelung von Videodateien


Eine Untertitelung von Videodateien ermöglicht Hörgeschädigten die sprachlich präsentierten Informationen zu rezipieren. Hierfür müssen Untertiteldateien erstellt werden, in denen die Einblendungszeit- und -dauer sowie die Umbrüche der einzelnen Textstellen definiert sind. Untertiteldateien beinhalten daher in der Regel folgende Informationen: [Nummer des Untertitels], [Timecode des Untertitels] und [Textinhalt mit Umbruch].

Beispiel für eine Untertiteldatei mit Timecodes


1
00:03.373 --> 00:06.436
Dies ist das erste Video in einer
Reihe von Einführungsvideos

2
00:06.461 --> 00:08.648
zur Arbeit mit der
Lernplattform Moodle.

3
...


Für die Erstellung derartiger Untertiteldateien empfehlen wir das Open-Source Programm Subtitle Edit. Den Link und weitere Informationen zu Subtitle Edit finden Sie auf der Seite  „Digitale Tools“ der E-Learning Servicestelle (Kategorie: Barrierefreiheit).

Hinweis: Die weiteren Videos zu Subtitle Edit werden demnächst an dieser Stelle erscheinen.




Ansprechpersonen


Peter Schmidt

Lehre mit digitalen Medien, Lernplattform Moodle, Konferenzsysteme
  Raum 107 (Mo, Di und Do)
   030 / 99245-185
  peter.schmidt@ash-berlin.eu


Daniel Klenke

Referent für digitale Mediendidaktik
  Raum G010 (Mo - Do)
   030 / 99245-264
  klenke@ash-berlin.eu
  Homepage


Verweise

Alice Salomon Hochschule Berlin
Lernplattform Moodle
Vorlesungsverzeichnis
DFNconf Webkonferenz
Berliner Zentrum für Hochschullehre (BZHL)